Oster-Ahnung

Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Was vielen nicht-oder nur fern-Gläubigen heute so kurios anmuten muss – diese zwei Sätze zaubern mir ungläubiges Lächeln ins Gesicht. Staunen, Unverständnis und dennoch wichtiger als all das: Hoffnung.

Ich begreife die Dimension dieser Sätze nicht – aber mich streift eine Ahnung, bei jeder Wiederholung. Eine Ahnung, dass der Tod nicht das Ende bleibt, eine Ahnung, dass Leben möglich wird, eine Ahnung, dass die Liebe siegt!

Eine Woche voll Trauer und Entsetzen liegt hinter mir: die erschütternden Nachrichten von Dienstag wirken noch, treiben mir noch immer Tränen in die Augen. Vielleicht habe ich Karfreitag noch nie als so trostvoll erlebt. Erlebt, welche Kraft in meiner Gottesvorstellung liegt, dass der/die Leben schenkt, auch bis ins größte Leid und Tod mit uns bleibt.

Am dritten Tage auferstanden – so oft im Glaubensbekenntnis gesprochen. Wie wichtig ist diese Pause, das Aushalten von Leid und Trauer und Hilflosigkeit. Wie furchtbar ist sie.

Dann erneut diese Sätze: Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Gesprochen, gesungen und dieses Jahr für mich vor allem in Facebook-Posts.

Und sie umfangen mich, mich die Zweifelnde, mich die Glauben wollende, mich die Ungetröstete. Und jedes Mal klingen in ihnen all die unzähligen Stimmen von Glaubenden und Glaubenwollenden aus zweitausend Jahren.

Euch allen: Frohe Ostern!

„Wahrscheinlich Ja“

gescheitert – tief
aufgefangen worden – warmherzig
in Tiefen gefallen – zeitweise endlos
aufgerappelt (worden) – auch wenn es manchmal noch andauert
neugierig erwacht – auf mein Leben
Menschen begegnet – Freunde (wieder)gefunden
aufgeblüht – und nicht mehr bereit, die Sonne je wieder zu verlassen
neu lieben gelernt – einzigartig und vielfältig
ein neues Zuhause – auf dem Weg

Und neulich auf die Frage, ob ich über das Scheitern heute froh sei, überrascht über meine Antwort gewesen:

Wahrscheinlich Ja!

Was Frauen so alles haben können…

Es gibt Texte, die mich wütend machen – der SPIEGEL schafft das gerade im neusten Heft und online : Unter dem Titel „Frauen können alles haben – Sie sollten nur viel früher Kinder bekommen“ beschreibt Claudia Voigt Entwicklungen und Debatten rund um die Emanzipation und die Frage des Zeitpunkts für Kinder in modernen Lebensläufen in den letzten Jahrzehnten.

Viele der Beobachtungen sind richtig, viele der Thesen teile ich sogar – die Schlussfolgerungen aber sind desaströs: Denn an Stelle darüber zu reden, wie gesellschaftliche Strukturen, Atmosphäre und Debatten geändert und verbessert werden müssen – läuft dieser Artikel auf das einfache Schema hinaus: Die Frauen können die noch immer bestehenden beruflichen Nachteile (Aktuell dazu z.B die Zeit „Wenn das erste Kind da ist, kippt das System zurück in die traditionellen Strukturen“), die mit dem Kinderbekommen einher gehen, selber lösen, und das auch noch ganz einfach: Indem sie Kinder möglichst früh am Besten bereits im Studium bekommen.  Das ist so, als ob wir Ausländern sagen, sie sollen unsere gesellschaftlichen Rassismus-Probleme doch einfach selber lösen. Liebe Frau Voigt, das konnten Sie definitiv schon besser! (z.B. die Machtfrage aus 2011 à http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-76659498.html)

Deshalb ein paar praktische Rückfragen: Glauben Sie wirklich, dass im aktuellen Bachelor-/Master-System die nötige Flexibilität herrscht, so einfach nebenbei noch ein Kind großzuziehen? Was wird dann mit den Anforderungen an die Studierenden mind. einmal die Uni gewechselt zu haben, mind. ein Semester im Ausland zu sein und für einen erfolgreichen Berufseinstieg auch mehrere Praktika absolviert zu haben? Ist Betreuung in KiTas wirklich einfacher, wenn Plätze schlicht fehlen? Was, wenn die so in die Mitverantwortung genommen Großeltern selber noch Vollzeit arbeiten oder schlicht wo ganz anders leben als die Frauen studieren? Und es ist beileibe keine Nebenfrage, wer das in Zeiten von Studiengebühren und ohne eigene Einkommen finanziert, zumal das frühere Erziehungsgeld, dass zwei Jahre gezahlt wurde, mit Überführung in das Elterngeld auf ein Jahr gekürzt wurde!

Aber das vielleicht Entscheidende? Wenn es Frauen (angeblich) schon mit Anfang oder Mitte 30 schwer fällt, Männer zu finden, die bereit zur Familiengründung sind, wo sollen die bitte mit Anfang 20 herkommen? Überhaupt, wo sind die Männer in dem ganzen Artikel (davon abgesehen, dass sie Angst vor kinderhabenwollenden Frauen haben…)

Ah, ich habe ein Argument gegen das Kind im Studium vergessen, das die Autorin selber nennt, den Spaß- und Freiheitsverzicht, der mit Kindern einhergeht… Das mögen ja einzelne so sehen (übrigens in jedem Alter), aber ist doch wohl eher nicht Kern des Problems, sondern angesichts des genannten eine die Tatsachen verkennende Unterstellung an eine ganze Generation!

Umgekehrt: Ja , ich bin dafür, dass wir uns Emanzipation so weit weiterdenken, dass Kinder zu jedem Zeitpunkt im Lebenslauf kein Hindernis für ein erfolgreiches Berufsleben sein dürfen, auch im Studium! Und ich bin eine große Freundin der Idee, dass Frauen und Männer, die Kinder haben möchten, das nicht unbedingt von der großen Liebe und Gewissheit des Partners für ewig abhängig machen müssen. Aber dafür braucht es andere Rahmenbedingungen statt des klugen Tipps an die Frauen, dass sie ihre Misere doch ach so einfach selber lösen können. (Die zitierte Eva Illouz bietet dazu übrigens sehr kluge soziologische Analysen!)

Lasst uns doch mal mit Folgendem anfangen:

  • Kinder sind keine reine Privatsache, sondern gemeinschaftliche, gesellschaftliche Aufgabe, das betrifft Kinderbetreuung, Finanzierung und vor allem öffentliche Debatte und Unterstützung in Medien, Betrieben und hoffentlich auch an Stammtischen!
  • Kindergroßzuziehen ist gemeinsame, gleichberechtigt geteilte Verantwortung und Aufgabe von Frauen und Männern. Damit ist die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf genauso ein Männer- wie ein Frauenproblem. Wenn dieses geteilt würde, würden zugleich viele Diskriminierungen in der Berufswelt aussterben – denn dann wäre die „Gefahr“ für den Arbeitgeber genauso hoch, dass Männer wegen Elternzeit ausfallen, Teilzeit einfordern, pünktlichen Feierabend brauchen, um Kinder von der KiTa abzuholen, spontan wegen Windpocken ausfallen können etc. Und weil das von selbst so schwierig oder langsam geht, lasst uns weiter über die Quote als zwar nicht immer faire, aber funktionierende Abkürzung zu mehr Gleichberechtigung in der Arbeitswelt streiten!
  • Wenn wir Kinder zu bekommen nicht mehr von der festen, ewigen Partnerschaft abhängig machen wollen, brauchen wir eine neue Debatte zu Fragen von Beziehungsgeflechten und ihrer Relevanz z.B. für die Wahl von Lebens- und Arbeitsort. Denn wenn Eltern keine feste Einheit mehr bilden müssen, sondern sich trennen dürfen oder ich Kinder nicht mit meinem Ehemann, sondern einem sehr guten Freund bekommen und gemeinsam großziehen möchten, brauchen wir neue Vereinbarungen und Möglichkeiten, wie das in einer Zeit geht, in der die Arbeitswelt und ggf. auch unsere Vorstellungen von Selbstverwirklichung von uns absolute ggf. sogar weltweite Mobilität von beiden Elternteilen erwarten.

Ja, Frauen können alles haben – Männer übrigens auch und besonders leicht dürfte das bei gemeinsamen Engagement statt bestimmt gut gemeinter, aber leider schlechter, weil Verantwortung abschiebender Ratschläge an die Frauen gehen. Die Verantwortung für eine familienfreundliche, gerechtere Gesellschaft liegt bei uns allen!

Sommernacht

Büroalltag, draußen Sonne; warme, kurze Nächte; chronisch werdender Schlafmangel (Schuld sind die Amseln, die in Berlin lauter und früher singen als irgendwo anders);
Leben – so dicht und warm und so lebenswert.

Und dann diese Momente – ich hoffe, ihr kennt das: Nachts auf dem Rad, alles langsamer, ruhiger, aber weiter pulsierend im Takt der nie ganz schlafenden Stadt, die Musik von eben noch im Ohr.

Und da taucht es auf, überfällt mich, von hinten über die Schulter, singt, kichert, hüpft, ist nicht zu bändigen. Es trällert: „Hier bin ich“ und „Fang mich“ und „Wag es, nicht mich festzuhalten!“
Also antworte ich lächelnd: „Hallo Glücksgefühl – da bist du ja wieder, willkommen!“ und „bleib, so lange du magst!“

Setzt auf die Träume! Weil Pragmatismus für die Weltrettung nicht reichen wird!

Rio+20 läuft noch, doch 20 Jahre nach den Visionen des ersten großen Erdgipfels bleiben wir im Frust der Realitäten gefangen. Die Erwartungen an diese Weltkonferenz waren beschaulich. Manch ein politischer Kopf versuchte daraus, die Hoffnung zu schöpfen, dass so wenigstens kleine Fortschritte als Erfolge und Neuanfänge wirken könnten – quasi als Gegenentwurf zu den hohen Erwartungen an die UN-Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen, wo alle so viel erhofften, so wenig herauskam und der Frust sich bis heute tief in die Seelen von KlimaschützerInnen gegraben hat.

Also wurden dieses Mal realistische, niedrige, kleine Hoffnungen und Entwürfe angedacht. Ein bisschen mehr Meeeresschutz, ein bisschen mehr Ansehen für die UNEP (das Umweltprogramm der UN) und ein Konzept der Green Economy, das die Wirtschaft zur Freundin von Umwelt und Entwicklung macht. Nun ist das Abschlussdokument schon vor Beginn der eigentlichen Konferenz quasi beschlossen und enthält noch viel weniger, als das ohnehin gering geplante. Eine Zeitung schrieb, dass die Beschlüsse dieses Gipfels vermutlich nicht die CO2-Emissionen derer auszugleichen vermögen, die zu ihr hinflogen. Das könnte wahr sein. Aber es bleibt zu hoffen, dass die NGO-VertreterInnen zumindest die Gelegenheit zur gegenseitigen Vernetzung gut nutzen und es ihnen gelingt, in allem Frust über die Ergebnisse von heute, die gemeinsamen Träume für morgen wiederzuentdecken.

Die Herausforderungen, vor denen wir stehen sind riesig, sind erschlagend, sind frustrierend: Armut, Hunger, Krankheiten, Klimawandel, sich ausbreitende Wüsten und Naturkatastrophen, leergefischte Meere, gerodete Wälder. Die Liste kann lange fortgesetzt werden. Aber wie wollen wir das überwinden, wenn wir nicht den Mut zum Träumen zurück gewinnen? Woher soll die Kraft für diese Menschheitsherausforderung kommen, wenn nicht aus wilden, überschäumenden, bunten, gemeinsam ausgemalten Visionen von mehr Gerechtigkeit und Gleichheit, guter Bildung, reichen Meeren und Wäldern, sauberer Energie, der Freiheit für Menschen, ihre Leben selber zu gestalten und bei all dem viel Bewusstsein für Freundschaft, Familie, Liebe, Gemeinschaft und das all dieses so viel mehr trägt als unnötiger Konsum.

Lasst uns wieder träumen, alleine, gemeinsam und in allen Sprachen und Bildern – denn nur dann wird diese Herkulesaufgabe realistisch zu meistern sein!