Oster-Ahnung

Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.

Was vielen nicht-oder nur fern-Gläubigen heute so kurios anmuten muss – diese zwei Sätze zaubern mir ungläubiges Lächeln ins Gesicht. Staunen, Unverständnis und dennoch wichtiger als all das: Hoffnung.

Ich begreife die Dimension dieser Sätze nicht – aber mich streift eine Ahnung, bei jeder Wiederholung. Eine Ahnung, dass der Tod nicht das Ende bleibt, eine Ahnung, dass Leben möglich wird, eine Ahnung, dass die Liebe siegt!

Eine Woche voll Trauer und Entsetzen liegt hinter mir: die erschütternden Nachrichten von Dienstag wirken noch, treiben mir noch immer Tränen in die Augen. Vielleicht habe ich Karfreitag noch nie als so trostvoll erlebt. Erlebt, welche Kraft in meiner Gottesvorstellung liegt, dass der/die Leben schenkt, auch bis ins größte Leid und Tod mit uns bleibt.

Am dritten Tage auferstanden – so oft im Glaubensbekenntnis gesprochen. Wie wichtig ist diese Pause, das Aushalten von Leid und Trauer und Hilflosigkeit. Wie furchtbar ist sie.

Dann erneut diese Sätze: Er ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Gesprochen, gesungen und dieses Jahr für mich vor allem in Facebook-Posts.

Und sie umfangen mich, mich die Zweifelnde, mich die Glauben wollende, mich die Ungetröstete. Und jedes Mal klingen in ihnen all die unzähligen Stimmen von Glaubenden und Glaubenwollenden aus zweitausend Jahren.

Euch allen: Frohe Ostern!

Unterwegs sein

– oder der Versuch einer Antwort an alle, die den Reiz davon, schwere Rucksäcke viele Berge hoch und runter zu tragen, nicht verstehen können

Drei Wochen: Sonne – beeindruckende Berge – frische Luft – immer neue weite Blicke – großartige Menschen und pfeifende Murmeltiere. So klingt Urlaub.

Drei Wochen: schwere Rucksäcke – harte Nächte auf Isomatten – Gewitter direkt über einem – Hitze – schmerzende Knie und kreisende Geier. So klingt dieser Urlaub auch.

All das ist untrennbar, wenn das Unterwegssein hilft, zu sich zu finden. Überhaupt das Gehen: das Finden des eigenen Tempos – das Kämpfen mit den eigenen Grenzen – der Stolz, sich das nicht in Worte zu fassenden Panorama so hart erarbeitet zu haben – das Eingestehen der eigenen Bedürfnisse auch gegen die der anderen – die wärmende Sonne auf dem Gipfel auf den durchgeschwitzten Klamotten.

Jeder Schritt ein Gedanke – schauen, wohin den Fuß setzen, auftreten, federn, atmen, weitergehen. Jedes Innehalten des Schrittes einen Blick wert, hinauf und hinab, auf Berge, Seen, tiefe Täler, ins Wetter, auf die Karte: „Wie weit noch, wie weit?“ Bis zum Horizont.

Und weil Worte ja doch nicht reichen – hier also ein paar Bilder vom GR 11 durch Aragon, von Canfranc nach Benasque, mitten durch die höchsten Berge der Pyrenäen.

„Wahrscheinlich Ja“

gescheitert – tief
aufgefangen worden – warmherzig
in Tiefen gefallen – zeitweise endlos
aufgerappelt (worden) – auch wenn es manchmal noch andauert
neugierig erwacht – auf mein Leben
Menschen begegnet – Freunde (wieder)gefunden
aufgeblüht – und nicht mehr bereit, die Sonne je wieder zu verlassen
neu lieben gelernt – einzigartig und vielfältig
ein neues Zuhause – auf dem Weg

Und neulich auf die Frage, ob ich über das Scheitern heute froh sei, überrascht über meine Antwort gewesen:

Wahrscheinlich Ja!

Complicate your life!

WegweiserDieser Text hat einen Grund, einen sehr guten Grund: Er ist für all die Momente, in denen ich an der Komplexität und den vermeintlich unüberschaubaren Möglichkeiten meines Lebens scheitere. In denen all die Fragen, wo und wie und mit wem und mit welcher Arbeit und mit wie viel Arbeit und mit wie viel und was noch dazulernen und mit welcher und wie viel Familie und Freunden ich mein Leben ein bisschen oder ganz viel teilen will – also wenn all das mich erschlägt, weil ich dann gerade keine Kraft habe, all diese Entscheidungen immer und immer wieder treffen zu müssen. Ich werde dann lethargisch und schlecht gelaunt und mag mich selbst nicht leiden. Kennt ihr das?

Dieser Text ist für diese Momente! Denn heute ist es anders:

Heute weigere ich mich noch Entscheidungen zu treffen, zumindest keine großen. (Was ich zum Abendessen möchte und ob und mit wem ich noch weggehen möchte, reicht für heute und für morgen vielleicht auch.)

Aber zweitens und viel wichtiger, ist gerade so ein Moment, in dem ich meinen Reichtum an Möglichkeiten genieße und nicht nur weiß, welches Glück ich mit ihnen habe, sondern im Herzen, im Kopf, in den Beinen und Händen und Füßen fühle wie großartig sie sind, so sehr, dass es kribbelt und hüpft in mir und singt.

Solche Momente möchte ich aufheben, weil es in ihnen so einfach ist: Klar werde ich Irrwege gehen, aber sie müssen nie endgültig sein; klar werde ich nicht immer die beste Entscheidung treffen, aber vielleicht gibt es da draußen ja ganz viele ganz richtige, gute Wege für mich; nein ich werde nicht alles haben können, aber es wird mehr als genug sein!

Ich möchte kein einfacheres Leben. Meines ist kompliziert und wird immer wieder Entscheidungen erfordern und manchmal werden sie mich überfordern. Aber in all den zumeist wunder-baren Möglichkeiten kann ich schwimmen, Richtungen ändern und, mit ein bisschen Glück, sogar fliegen – so wie heute!

Liebeserklärung an Zu Hause(s)

Mit dem Herbst kommen sie, die wunderbar melancholisch-schönen Gedanken und die Sehnsüchte nach Heimat und zu Hause, nach Kamin und seeletragender Musik, nach Kuscheligkeit und Wärme. Doch wo ist mein Zu Hause nach all den zahllosen Umzügen? Wo mein Bett steht? Wo meine Bücher sind? Wo ich meine Mails lesen kann? Wo die Menschen leben, die ich liebe? Wo ich auch ohne Stadtplan meine Lieblingsplätze und Cafes finde? Meine Entdeckung der letzten Tage: All das und das gleichzeitig! Schade, dass es für zu Hause noch keinen Plural gibt und schön, wenn das Leben so überreich ist!

Berlin: Diese mir eigentlich viel zu große, viel zu hektische Stadt – aber darin eine Wohnung, ein licht-durchflutetes Zimmer (mit Büchern und Bett!), die Spree vor der Tür,  ein gefüllter Kühlschrank und wichtiger als dies alles: eine so warmherzige, liebevolle Wohngemeinschaft, dass ich mich jedes Mal freue, durch die Tür einzutreten.

Göttingen: Heute nur auf der Durchreise, ein Blick auf die Silhouetten der vertrauten Kirchen, das ehemalige Büro und immer die Versuchung auszusteigen, wenigstens für einen Kaffee… und drumherum unspektakuläre Hügel, die ich erst zu schätzen weiß, seit ich sie vermisse.

Fulda: Aus dem Zug steigen, in die Herbstsonne treten, immer kälter als dort, wo ich einstieg. Vertraute kurze Wege und freundliches Willkommen alter Kolleginnen und lieber Freunde. Dom und Schlosspark und ein kurzer Blick in meinen ehemaligen Garten, leider sind die Pflaumen schon gepflückt.

Oslo: Der Geruch nach verbranntem Holz aus Kaminen selbst in einer Stadt, kleine Parks, ein wilder Bach wunderbare Cafes und der Singsang der norwegischen Sprache um mich herum. Gern würde ich hier länger bleiben und es wirklich zu Hause werden lassen, aber heute muss ich auf jeden Fall noch an den Fjord für einen weiten Blick, für Fernweh oder Heimweh, ich bin nicht sicher…

Sommernacht

Büroalltag, draußen Sonne; warme, kurze Nächte; chronisch werdender Schlafmangel (Schuld sind die Amseln, die in Berlin lauter und früher singen als irgendwo anders);
Leben – so dicht und warm und so lebenswert.

Und dann diese Momente – ich hoffe, ihr kennt das: Nachts auf dem Rad, alles langsamer, ruhiger, aber weiter pulsierend im Takt der nie ganz schlafenden Stadt, die Musik von eben noch im Ohr.

Und da taucht es auf, überfällt mich, von hinten über die Schulter, singt, kichert, hüpft, ist nicht zu bändigen. Es trällert: „Hier bin ich“ und „Fang mich“ und „Wag es, nicht mich festzuhalten!“
Also antworte ich lächelnd: „Hallo Glücksgefühl – da bist du ja wieder, willkommen!“ und „bleib, so lange du magst!“

Der erste Artikel

Ein leerer Blog, wie die leere Seite eines zu schreibenden Buches, einer Hausarbeit, einer Rede: Wo anfangen? Im Heute oder lieber in der Vorgeschichte? Oder vom Ziel her denken, was soll das eigentlich werden? Das zumindest ist leicht, ich weiß es noch nicht!

Aber das erscheint mir zu wenig für den ersten Artikel. Also zum Heute: Ich sitze in der Abendsonne an der Spree… auch das befürchte ich, wird kein guter Anfang.

Also doch von vorne, woher kommt meine Lust an dieser neuen Mitteilungsform? Mit Facebook und Twitter begann es, zuerst skeptisch verfiel ich wie so viele andere schnell dem lebendigen Austausch mit nahen und fernen Freundinnen und Freunden. Und dann irgendwann reichten 160 Zeichen nicht mehr. Ich würde gern auch Gedanken am Stück äußern und bin gleichzeitig beeindruckt von den vielen schönen und klugen Blogs, auf die ich inzwischen so gestoßen bin (eine entsprechende Linkliste findet ihr bereits jetzt rechts unten).

Also, hier ist er nun: mein Beitrag zur neuen Netzkultur. Ich hoffe er macht euch Freude, Mut und Lust am Leben und politischen Engagement! Seid willkommen und herzlich eingeladen, mitzulesen, mitzukommentieren, mitzuschreiben!